Marketing ist Chefsache · Ausgabe 01
Remo Fyda gehört zu den Pionieren der Online-Bewertungen in Deutschland. Mit ProvenExpert hat er eine der größten Bewertungsplattformen im deutschsprachigen Raum aufgebaut: 1,7 Millionen Nutzer, von denen 70 Prozent ohne Werbebudget zu ihm kommen. Bis das Unternehmen profitabel war, dauerte es allerdings acht Jahre – zeitweise verbrannte es 500.000 Euro im Monat. Für Fyda war das kein Umweg, sondern der Preis dafür, dass sein Siegel heute überhaupt etwas wert ist. Denn Zeit, Geld und Authentizität lassen sich seiner Erfahrung nach nicht abkürzen. Im Gespräch mit Jonas Eisert, Gründer der Münchener Marketing Gruppe, erklärt er, warum ein Siegel, das sich ein Unternehmen selbst ausstellt, nichts wert ist, weshalb er sich über schlechte Bewertungen freut und was passiert, wenn online niemand mehr etwas glaubt.
Ein Gespräch über Glaubwürdigkeit, echtes Kundenfeedback – und die Erkenntnis, dass Vertrauen sich nicht kaufen lässt.
Interview:
Jonas Eisert
Datum
Januar 2026
- Podcast
Inhalt des Interviews
Wolfgang Grupp
Bundesverdienstkreuz
u.v.m.
Ich komme ursprünglich aus dem Agenturgeschäft. Ich habe Medieninformatik studiert, direkt nach dem Diplom in einer inhabergeführten Agentur in Hannover gearbeitet und danach mit zwei Geschäftspartnern eine eigene Agentur gegründet, Neoscope. Irgendwann kam ich an einen Punkt: 1993 hatte ich das erste Mal eine Webseite programmiert und dafür Geld bekommen. Ich war also lange im Business und hatte die Nase voll davon.
Dann ist Jürgen Jaron auf mich zugekommen, der Gründer der MAGIX AG. Die saßen an einem Projekt – eigentlich aus der Not heraus: Sie hatten weltweit 45.000 Trainer und Coaches, die ihre Produkte und ihre Software geschult haben, und wollten von diesen Trainern und Coaches endlich ein qualifiziertes Feedback bekommen. Jürgen und Dieter kamen auf mich zu und fragten: Hast du nicht Lust, einzusteigen? Am Ende habe ich gesagt: Mache ich gerne – aber wir brauchen einen anderen Namen, und wir machen das nicht nur für Trainer und Coaches, weil der Bedarf eigentlich für alle Dienstleister und alle Experten da ist.
Am Anfang hatte ich meine Schwierigkeiten damit, weil ich aus dem klassischen Unternehmertum komme: nie fremdfinanziert, keine Investoren, alle Businesses davor eigenfinanziert. Hier war es ein bisschen anders. Bei mir im Büro hängt heute noch ein Einhorn an der Wand. Das war unsere Perspektive, unser Traum von damals: ein Unicorn in Deutschland zu gründen.
Da kommt ja auch Marke hin. Wir machen Sportsponsoring, wir sind Sponsor der Eisbären Berlin, wir haben Rennfahrer in der NASCAR-Serie gesponsert. Wir haben viel im Sportbereich gemacht, aber natürlich auch viel bei Messen und Veranstaltungen, wo dich Leute wahrnehmen. Das ist der Unterschied zwischen einer Online-Marke und einer real existierenden Marke: Ach, ProvenExpert, mit denen wollte ich mal sprechen – und die sind auch schon wieder hier auf der Messe, da waren sie letztes Mal auch. Du schaffst eine Wiedererkennung. Es gibt diesen Spruch:
„Die Aufmerksamkeitsspanne des normalen Webseitenbesuchers ist kürzer als die einer Hauskatze."
Die scannen die Webseite, und jeder Wettbewerber ist nur einen Klick entfernt. Es braucht teilweise 20 Touchpoints, bis sich bei mir jemand registriert oder überhaupt einen Bezug zur Marke hat.
Zum einen: einen standardisierten Prozess im Unternehmen einführen. Ganz, ganz wichtig ist, dass ihr eure Kunden fragt. Ich gebe dir mal dieses Beispiel: Stell dir vor, du bist mit deinem Partner oder deiner Partnerin essen im Restaurant. Das Essen ist gut, der Kellner ist freundlich, du kriegst die Rechnung, der Preis passt – dann kommst du eigentlich nicht auf die Idee, eine Bewertung zu schreiben. Jetzt drehen wir das Ganze mal um: Der Kellner hat vielleicht einen schlechten Tag, oder der Koch ist verliebt und hat das Essen versalzen, und dann kriegst du noch eine überteuerte Rechnung – da bist du eher geneigt, eine Bewertung zu schreiben.
Und genau das passiert da draußen auch. Wir sind Menschen, wir machen auch mal Fehler. Und wenn dann so ein Fehler passiert und der Kunde schreibt irgendwo etwas, dann bleibt das – die kriegst du nicht mehr weg. Aber wenn du vorher schon deine Reputation aufgebaut und dir Feedback geholt hast, dann stört dich diese eine Bewertung auch nicht. Deswegen ganz, ganz wichtig: Fragt eure zufriedenen Kunden und Nutzer und startet damit. Und du musst nicht immer warten, bis der Vertrag oder die Leistung abgeschlossen ist. Du kannst ein Beratungsgespräch genauso bewerten lassen, ein Webinar, einen Auftritt auf der Bühne.
Dann haben wir ganz andere Probleme, um ganz ehrlich zu sein. Aber es kommt natürlich, und wir sind stark daran interessiert, das rauszufiltern. Ehrlich gesagt:
„Wenn wir so weit sind, dass wir gar nichts mehr glauben können, dann kann ich die Plattform auch zumachen."
Ich glaube, authentisches Kundenfeedback wirst du immer erkennen. Bei uns gibt es auch die Möglichkeit, Kontakt zum Bewerter aufzunehmen: Wenn ich dir jetzt eine Bewertung gebe, kann ich hinterher sagen, dass ich für Rückfragen bereitstehe. Du hast also immer einen Rückkanal. Aber das Problem ist natürlich da, gar keine Frage, und dagegen wirst du dich nicht wehren können. Das Einzige, was ich jedem Unternehmen sagen kann: Bleib authentisch. Wir haben schon so viele Sterne aufgehen sehen, die genauso schnell wieder verglüht sind. Ich glaube, langfristig setzen sich Authentizität und Ehrlichkeit immer durch.
Mit KI wird es immer einfacher, dass alle eine gute Webseite haben und Bewertungen sammeln. Wenn alle gut sind, sind gleichzeitig alle schlecht – die Frage ist dann nie, wie man es einigermaßen gut macht, sondern wie man es besser macht als alle anderen am Markt. Wie geht das?
Ich kann nur jedem empfehlen, seine eigene Reputation in die eigene Hand zu nehmen und sich ein Tool zu suchen, mit dem man arbeitet – ob das ProvenExpert ist, ob das Google ist oder mehrere, sei dahingestellt. Guckt auf jeden Fall mal ins Kleingedruckte: Wem gehören letztendlich die Bewertungen? Da haben wir einen ganz großen Unterschied gemacht, auch relativ früh am Markt, indem wir gesagt haben: eure Kunden, eure Bewertungen. Es gibt diese kleinen Stellschrauben, mit denen du dich vom Wettbewerb abheben und einmalig machen kannst – die musst du herausarbeiten, und das ist bei jedem Unternehmen so. Ich glaube auch, dass es der Schlüssel für langfristigen Erfolg ist, sich immer wieder neu zu erfinden, immer wieder zu schrauben und zu gucken: Was können wir anders machen, was können wir besser machen?
Das vollständige Interview mit Remo Fyda findest du als Video auf dem YouTube-Kanal von Jonas Eisert.
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Grupp hat nie mehr verlangt, als er selbst zu leisten bereit war. Führung ist tägliche Praxis, kein Titel.
Denken in Generationen
Produkt vor Strategie
Kein Framework ersetzt tiefes Produktwissen. Wer sein Produkt nicht kennt, kennt sein Unternehmen nicht.
Persönliche Haftung
Was ist das Geheimnis von Trigema?
Ich musste den Wandel der Zeit rechtzeitig erkennen und entsprechend handeln.“
Probleme liegen nicht am Standort Deutschland, sondern an Unternehmern, die sie nicht erkennen.“